Carolin Schär


Carolin Schär wurde in Zürich geboren und absolvierte ihr Schauspielstudium an der Züricher Hochschule der Künste und am Conservatoire National Supérieur d’Art Dramatique in Paris. Nach ihrer Ausbildung spielte sie am am Schauspielhaus Zürich und gastierte regelmäßig am Theater Basel, wo sie ab der Spielzeit 2011 fest zum Ensemble gehörte. Dort arbeitete sie u.a. mit Regisseuren wie Elias Perrig, Florentine Klepper und Tomas Schweigen zusammen.
2012 wechselte sie ins Ensemble des Stadttheaters Ingolstadt und war ua. zu sehen als Karoline in «Kasimir und Karoline», als Flora in der deutschen Erstaufführung von «Grillenparz» und zuletzt als Jenny Jannowitz in «Jenny Jannowitz oder: der Engel des Todes». Seit der Spielzeit 2015/16 ist sie freiberuflich tätig. Am Theater Kanton Zürich spielte sie beim Freilichtstück «Tartuffe» 2016 die Mariane.
 

Das folgende Gespräch mit Carolin Schär führten wir anlässlich unserer Leporello-Rubrik Mitarbeiterin des Monats Juni/Juli 2016

Wie kamen Sie zum Theater?
Meine ersten Schritte auf der Bühne machte ich als Kind. Mit 8 wurde ich Mitglied im Kinderchor des Opernhaus Zürich und durfte oft in wilder, singender Kinderschar über die Bühne fegen. Die Atmosphäre auf der Probe, in der Maske, hinter und auf der Bühne hat mich immer total verzaubert und begeistert. Die schönsten Momente heute sind jene, in denen ich diese Unbefangenheit und diese Magie wieder ganz naiv erleben kann, trotz allem «Erwachsensein».

Welchen Beruf hätten Sie ergriffen, wenn Sie nicht Schauspielerin geworden wären?
Ich wäre wohl Psychologin geworden.

Was kann einem die Probe so richtig versüssen? Und was vermiesen?
Wenn ich mit Menschen arbeite, die mich inspirieren und mit denen ich gemeinsame Welten, Situationen und echte Begegnungen schaffen kann, erlebe ich Proben als unglaublich bereichernd. Als unbefriedigend und blockierend empfinde ich es, wenn ich merke, dass auf einer Probe keine gemeinsame Phantasie entsteht, dass jeder seine eigenen Ideen zu verwirklichen sucht oder ganz einfach so unterschiedliche Ansichten von Theater, von Inhalt und von Erzählweisen aufeinanderprallen, dass ein Miteinander kaum möglich ist.

Haben Sie schon mal Freilichttheater gespielt? 
Ich habe bislang noch wenig Erfahrung mit Freilichttheater, freue mich aber sehr darauf. An lauen Sommerabenden unter freiem Himmel zusammen mit Kollegen für andere Menschen eine Geschichte erzählen- das klingt doch erst mal sehr romantisch. Die große Herausforderung wird wohl sein, jeden Tag an einem anderen Ort andere Bedingungen vorzufinden. Und die Unberechenbarkeit an Wetter, Geräuschen, sonstigen Überraschungen, die ein Openair mit sich bringt... Außerdem habe ich großen Respekt davor, so viele Vorstellungen hintereinander zu spielen. Das habe ich noch nie gemacht, und ich hoffe, der Abend bleibt trotzdem flexibel und lebendig.

Sie spielen Mariane, Orgons Tochter, die gegen ihren Willen von ihrem Vater mit Tartuffe verkuppelt werden soll. Was interessiert Sie besonders an dieser Molièrschen Figur?
Wir erzählen Mariane als typischen Teenager einer heutigen Wohlstandsgesellschaft. In gewisser Hinsicht ist sie sehr radikal und weiß, was sie will, ist aber noch zu unreif, ihre Meinung offen zu vertreten und sich dafür einzusetzen. Sie ist launisch, stolz, zickig, gibt Verantwortung gerne ab, «wohlstandsverwahrlost» ist ein Begriff, der in den Proben häufig gefallen ist. Mich interessiert die Frage, wie man eine Figur, die ganz eindeutig in einem anderen historischen Kontext geschrieben wurde und unter anderen gesellschaftlichen Normen funktioniert hat, modern erzählen kann, so dass die Konflikte und Situationen, die in den Szenen verhandelt werden, plausibel bleiben.

Der «andere historische Kontext» wird von der Ausstatterin Sara Giancane durch fantastische historisiernde Kostüme und Perücken sichtbar gemacht. Wie bewegt und spielt es sich in diesen Kostüme?
Natürlich machen Maske und Kostüm unglaublich viel aus. In unserem «Tartuffe» sind die Figuren so bunt und schrill in ihrem Erscheinungsbild, dass sie einen großen eigenen Ausdruck haben. Alles, was man als Spieler in den Raum stellt, wirkt noch mal größer, noch mal grotesker, noch mal verzerrter. Darauf kann man sich verlassen. Trotzdem müssen die Situationen, Szenen und Figuren natürlich erst mal ohne Maske und Kostüm funktionieren. Wenn die Originalausstattung dann dazukommt, ist das das Tüpfelchen auf dem «i».

Kurz zu Ihrem eigenen «historischen» Kontext. Sie haben die letzten Jahre viel im Ausland gearbeitet und sind nun wieder im Kanton. Wie ist das für Sie? 
Kürzlich war ich seit langem einmal wieder in Bachenbülach, wo ich aufgewachsen bin. Da sind so viele Orte mit Erinnerungen besetzt, dass ich mit einem Gang durchs Dorf einen Teil meiner Kindheit durchwandere.

Wo werden Sie Ihren diesjährigen Sommerurlaub verbringen?
Mit Freund und Hund in Dänemark am Strand.

Welche natürliche Gabe möchten Sie gern besitzen?
Eine große Portion grenzenloser Phantasie, bitte!