Andreas Storm, Brencis Udris in Bungee Jumping | Foto: Judith Schlosser
Liebes Publikum,
Theater spielen, Theater schauen, Theater planen heisst auch: Fragen stellen. Wir fragen uns unablässig: Warum spielen wir Theater, warum schauen wir Theater, warum lassen wir uns immer wieder von der Suggestivkraft des Theaters verführen? Eine mögliche Antwort wäre: Suchen wir im Theater nicht die Leidenschaften, die uns im wirklichen Leben fehlen? Die uns vielleicht auch zum Glück fehlen? Denn im Theater wird für uns geliebt, gehasst, gelacht, geweint, geheiratet, gelogen, gemordet, gerächt und gestorben. Die grossen Gefühle auf der Bühne leben die Schauspielerinnen und Schauspieler stellvertretend für uns aus. Das ist das Aufregende: wir haben die Möglichkeit, alles hautnah mitzuerleben, ohne die Konsequenzen zu tragen.
Dazu haben Sie in der kommenden Spielzeit 2013/2014, zu der ich Sie herzlich willkommen heisse, reichlich Gelegenheit!
Es geht los mit einem nervenaufreibenden Krimi, der Tatort ist das Internet. Jordi Galcerans Stück «Karneval» ist hochspannend und behandelt ein brandaktuelles Thema: anhand einer Kindesentführung spielt der Autor mit unserer Angst vor dem Terrorismus. In Yasmina Rezas zeitgenössischer Komödie «Der Gott des Gemetzels» treffen sich zwei Ehepaare, um in kultivierter Form über die Prügelei ihrer halbwüchsigen Söhne zu sprechen. Was in freundlicher Konversation beginnt, degeneriert zur offenen Saalschlacht, damit bietet das Stück alle Möglichkeiten für ein Schauspielerfest. Patrick Süskinds «Der Kontrabass» erzählt von der Hassliebe eines Orchestermusikers zu seinem Instrument. Ein grandioser Monolog für einen Schauspieler und ein spezielles Angebot für die kleinsten Spielstätten. «Clavigo» von Johann Wolfgang Goethe ist ein Klassiker aus der Zeit des Sturm und Drang – ein Stück wie von heute zur Frage: Liebe oder Karriere? Zum besten Stück der letzten Spielzeit kürte die Berliner Tageszeitung Die Welt Dennis Kellys englisches Gesellschaftsdrama «Die Opferung des Gorge Mastromas». Es beschreibt den Aufstieg und Fall einer «menschlichen Heuschrecke», ein Leben im Zeitalter des Turbo-Kapitalismus. Um Lebenslügen und Leichen im Keller geht es in Henrik Ibsens modernem Klassiker «Nora», wo die Titelheldin den endgültigen Ausbruch aus dem Puppenheim ihrer Ehe wagt. In der traditionellen Freilichtinszenierung erwartet Sie schliesslich eine Komödie des Shakespeare-Zeitgenossen Ben Jonson. In «Volpone» geht es aufs Vergnüglichste um Geld, Geiz, Gold und Gier.
Wir hoffen, dass dieser Spielplan bei Ihnen für reichlich Gesprächsstoff sorgt, denn für das Theater ist, wie jeder hierzulande weiss, die Mund-zu-Mund-Propaganda ein phänomenales Massenmedium.
«Ohne Theater geht es nicht», sagt der alte Staatsrat Sorin in Tschechows «Möwe» zu seinem Neffen, dem vermeintlichen Theaterrevoluzzer Konstantin – dem ist nichts hinzuzufügen. Wir wünschen Ihnen in diesem Sinne eine anregende Spielzeit.
Das neue Spielzeitheft können Sie übrigens als E-Paper von dieser Seite herunterladen. Viel Spass beim Blättern! Falls Sie ein gedrucktes Exemplar wünschen, rufen Sie uns einfach an (Telefon 052 212 14 42) oder schreiben Sie uns eine Mail (info@tkz.ch). Wir schicken Ihnen gern kostenlos ein Heft zu.
Ihr Rüdiger Burbach, Künstlerischer Leiter