- Aktuell
- Stücke
- Die Premieren der Spielzeit 2010/2011
- Der Richter und sein Henker
- Die Grönholm-Methode
- Fluchtwege
- Pinguine können keinen Kuchen backen
- Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie
- Die Premieren der Spielzeit 2011/2012
- In der Nähe der grossen Stadt
- Wir alle für immer zusammen
- Kabale und Liebe
- Das Ende vom Anfang
- Beatles for Sale
- Kasimir und Karoline
- Stücke Archiv
- Bilder
- Spielplan
- Ensemble
- Porträt
- Rückblick
- Kontakt
- Presse
Aktuell, Rezensionen, Frohe Feste, Der Richter und sein Henker, Die Grönholm-Methode, Fluchtwege, Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie, Pinguine können keinen Kuchen backen, Festland, News
Neu im Spielplan: Das Ende vom Anfang

Felix Prader inszeniert "Das Ende vom Anfang" von Sean O'Casey:
Die komische Katastrophe beginnt, als sich Bauer Darry Berrill (Andreas Storm), wie schon so oft, mit seiner Frau Lizzie (Silke Geertz) über die Frage streitet, wer von ihnen die schwerere Arbeit zu leisten habe. Sie beschliessen die Rollen zu tauschen: Lizzie geht mähen und Darry stürzt sich in die Hausarbeit, unterstützt von seinem halbblinden Freund und Nachbarn Barry Derrill (Stefan Lahr). Die beiden frisch gebackenen Helden des Haushalts tappen von einer Katastrophe in die nächste, denn in O‘Caseys Slapstick-Klassiker vollzieht sich der Untergang der Berrillschen Küche als Kampf mit den Tücken der Haushaltsobjekte in immer neuen Clownerien bis zum fulminanten Showdown …
Am Ende gibt es keine Gewinner, aber eine Gewissheit: dass wir uns nicht einzubilden brauchen, den ganz normalen Wahnsinn des täglichen Lebens beherrschen zu können.
Dazu hiess es im "Landboten" nach der Premiere:
Grüezi wohl oder Salam aleikum
Von der Leseprobe bis zur Premiere
Das Theater ist ein grosses Wunderwerk der Feinmechanik. Jedes Rad greift hier präzis in ein anderes. Und geregelt wird das Werk von einer Unruh, die eine sehr menschliche ist: Regisseure, Schauspieler, Bühnenarbeiter, Dramaturgen, Ausstatter, Lichttechniker, viele andere Theatermenschen mehr haben hier ihren Anteil, dass alles funktioniert, auf der Bühne und hinter der Bühne. Schauen wir einmal in diesen Mechanismus hinein, wie Theater gemacht wird. «Grüezi Kabul», das Volksstück von Jörg Graser, wird im Augenblick im Theater für den Kanton Zürich an der Scheideggstrasse unter der Regie von Deborah Epstein geprobt. Diese Woche sind die Schauspielerinnen und Schauspieler zu einer ersten Leseprobe zusammengekommen. Premiere hat das Stück dann am 6. Oktober. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir gehen ihn mit dieser kleinen Serie ein Stück weit mit. (bu)
Von Stefan Busz
Jetzt isch Allah am Start. Das Theater Kanton Zürich beginnt mit den Proben für Jörg Grasers Volksstück «Grüezi Kabul». Der Text ist noch nicht einfach zu lesen. Und mancher stolpert hier schon über die Fundamentalischtin.
Die fortschreitende Islamisierung sieht aus wie ein Gebetsteppich, geplottet in echt. Es ist der erste Tag nach den Theaterferien, und alles im Theater Kanton Zürich ist noch ein bisschen 2-D. Auf dem Tisch liegen die Textbücher aus «Grüezi Kabul» von Jörg Graser, Mundartfassung von Deborah Epstein, «es Volksstück». Noch hat kein Schauspieler, keine Schauspielerin diese Version in der Hand gehabt. Die Vorstellung aber, was «Grüezi Kabul» sein kann, ist schon da. Eine Bombe.
Verfasst von admin am Mi, 09/14/2011 - 15:42
Diesem Don Juan stinkt die Liebe
Es handelt sich bei dem alljährlichen Sommertheater des Theaters des Kantons Zürich (TKZ) gewissermassen um die robusteste Produktion des Jahres. Sie muss nämlich mobil sein und so wetterfest wie möglich, und sie muss sich gelegentlich gegen Auto- und Flugzeuglärm behaupten können oder, wie am letzten Mittwoch bei den Proben im Zürcher Letzibad, gar gegen die Geräuschkulisse eines Fussballmatchs. Das war, als noch halbwegs gutes Wetter herrschte. Als das Projekt Letzibad noch nicht in Regen und Kälte unterging.
Es war ja eine schöne Idee, die Sommersaison mit Max Frischs «Don Juan oder die Liebe zur Geometrie» an Max Frischs Geburtstagswochenende in Max Frischs beliebtestem und (so sagen viele) bestem Werk, eben dem Letzibad, zu eröffnen, bevor die Inszenierung dann losziehen sollte durch den ganzen Kanton. Auf die Kirchplätze und Schulhausplätze, in die Schlosshöfe und Amphitheater, die Park- und Seeanlagen. Stattdessen gab es nun halt die Indoor-Variante im TKZ selbst.
Es geht in diesem «Don Juan» um einen schönen spanischen Eigenbrötler, der in die reine, erhabene Schönheit der Geometrie verliebt ist, aber leider von den Frauen zum Frauenhelden gestempelt wird. Eine Tatsache, die ihm eigentlich furchtbar stinkt. Die Einzige, die er liebt, Donna Anna, verlässt er vor dem Altar, weil er sie aus Versehen in einer dunklen Nacht mit ihr selbst betrogen hat. Mit grossem Brimborium inszeniert dieser Don Juan seine Höllenfahrt, um danach endlich irgendwo in Ruhe weiterzuleben.
Ein frischer Don Juan
Das Theater Kanton Zürich zeigt Max Frischs «Don Juan»
Was Don Juan unwiderstehlich mache für die Damen von Sevilla, das sei seine männliche Geistigkeit, die die Frau von vornherein als Episode einsetze – eine Episode freilich, die schliesslich sein ganzes Leben verschlinge, schreibt Max Frisch im Nachwort zu seiner einzigen Komödie «Don Juan oder die Liebe zur Geometrie», die den Archetypus des Frauenhelden parodiert. Statt für die Damenwelt interessiert sich der Protagonist für die Geometrie. Trotzdem endet Don Juan (Brencis Udris) in jenem «Gefängnis», vor dem er sich so gefürchtet hat; in der Ehe mit der Herzogin von Ronda (Vera Bommer), die zuvor Prostituierte war und wunderschön von ihrem Liebesleid gesungen hatte.
Festland – Die Bühnenfassung
«Ich kam mir vor wie ein Diktiergerät», stellt Julia, die 26-jährige Tochter, lakonisch fest. In der Tat haben die Gespräche, die sie mit ihrem Vater führt, eher monologischen Charakter, doch sie finden auch unter speziellen Umständen statt: Vater und Tochter kennen sich kaum, haben sich seit Julias Konfirmation kein einziges Mal mehr gesehen – und befinden sich beide in einer psychischen Krise. So ist die Tochter nach Abschluss ihres Studiums depressiv verstimmt, während der Vater einen Burnout-Zustand erlebt.
Julia Stoll und Kaspar Steinbach, die Protagonisten von Markus Werners Roman «Festland», sind in Winterthur nun als Bühnenfiguren zu erleben. Der Autor und Regisseur Hannes Glarner hat Werners 1996 erschienenes 140-seitiges Werk dramatisiert und für das Theater Kanton Zürich inszeniert. Die Produktion, die am Donnerstag uraufgeführt worden ist, spielt in einem schlichten Einheitsraum (Bühne: Nino Kündig), der sowohl die Zürcher Wohnung ist, in der Vater (Stefan Lahr) und Tochter (leicht unterkühlt: Vera Bommer) eine Woche lang jeden Abend zusammentreffen, als auch Orta in Piemont, wohin Julia sich nach den Begegnungen mit dem Vater zurückzieht, um das Gehörte aufzuschreiben.
Wer nach der Lektüre von Werners Roman einen mehrheitlich ernsten Theaterabend erwartet hat, wird erstaunt sein: Die Grundstimmung ist heiter. Entsprechend wird an der Premiere auch viel gelacht – dann etwa, wenn der Vater seinen Zustand mit den Worten kommentiert: «Was nützt es, wenn ich heute mit Mundwasser gurgle und morgen erlösche?» Oder wenn er seiner Tochter erklärt: «Primär bist du ein Kind der Kopflosigkeit.» Dass jene langen Passagen, in denen der Vater sich frei assoziierend durch sein bisheriges Leben hangelt, in der Bühnenfassung fehlen, ist irgendwie nachvollziehbar.
Stillstehen, um zu rasen
Wenn Vater und Tochter sich nach zwanzig Jahren wieder gegenüberstehen, macht das Leben eine Pause. Das Theater Kanton Zürich spielt «Festland» von Markus Werner. Die Bühnenadaption des Romans ist unbedingt sehenswert. Eiseskälte im Zürcher März. Doch Julia geht sowieso nicht aus. Seit die 26-Jährige vor einem Monat ihren Studienabschluss feierte, ist sie wie blockiert. Sie verschanzt sich in der Wohnung, bleibt im Bett, meidet jede Gesellschaft. «Reduzierter Biotonus», diagnostiziert Josef, der als Mediziner nie um Diagnosen verlegen ist. Das Telefonklingeln beantwortet Julia mit einem Verzweiflungsschrei: «Ich kann nicht mehr!»
Stille. Am anderen Ende ist nicht Josef, der Unsensible. Sondern Kaspar Steinbach, ihr leiblicher Vater. Seit dem fünften Lebensjahr kaum gesehen, Gratulationen zur Konfirmation und Matura, ab und zu Anrufe – sie hatte sie nicht vermisst, als sie ausblieben. Ihr Vater, der kleine Unbekannte, der «halbgebildete Bürogummi» ihrer Vorstellung. Kurze Zeit später öffnet er ihr die Tür. Im Bademantel.
«Vaterwoche»
«Der passt zu meinem Gnadenstand», sagt er. Auch der Vater ist an einem Wendepunkt angelangt. Nach einem Leben im Schnellvorlauf hat er auf der Fernbedienung des Lebens auf die Pausen-Taste gedrückt. Krankgemeldet, sitzt er gesund zu Hause, trinkt Tee und philosophiert bitter vor sich hin – eine Midlife-Crisis? Julia ist irritiert. Über seinen Redeschwall, gefolgt von Abweisung. Dennoch kommt sie wieder. Und hat eine eigene Frage: «Erinnerst du dich zufällig auch daran, wie ich entstanden bin?»
Markus Werners «Festland» auf der Bühne
Als Markus Werners Roman «Festland» 1996 im Residenz-Verlag erschien, gab es den bildhaften Ausdruck «Burn-out» noch nicht. Heute, wo Hannes Glarner den Text in der Theaterfassung von Rüdiger Burbach mit dem Theater Kanton Zürich auf die Bühne bringt, schwebt die Diagnose über dem Kopf des Protagonisten Kaspar Steinbach, der eines Tages einfach nicht mehr ins Büro gehen kann. Doch er nennt seinen Zustand widerständig «Gnadenstand». Markus Werner ging es genau darum: zu zeigen, «was während der Phase des Stillstands, die in der Welt natürlich als pathologisch gilt, geschieht und möglich wird».
Auch Steinbachs Tochter Julia verfällt nach abgeschlossenem Studium in einen Erschöpfungszustand. Die Konstellation ermöglicht literarisch weite Räume – die, wie die Uraufführung der Bühnenfassung in Winterthur gezeigt hat, auf die Bühne übertragbar sind.
Die gar nicht depressive, sondern äusserst spielfreudige Lesart des Theaters Kanton Zürich leuchtet ein. Auch deshalb, weil Werners sezierend genaue Sprache überzeugend zur Geltung kommt, in der minimalistischen Inszenierung wie in der jugendlich-vitalen Körperlichkeit von Vera Bommer, die als Icherzählerin auch immer wieder an den Rand des Nichtgeschehens tritt.
Diese ganz der Sprache hingegebenen Sequenzen überzeugen mehr als die verspielteren. Wie sich Stefan Lahr und Vera Bommer von Vater und Tochter zwischendurch ins Liebespaar verwandeln, das Steinbach und Julias Mutter einmal waren, lässt die Schauspieler spürbar lustvoll aus dem strengen Korsett der Sprache ausbrechen – doch der Slapstick mit toten Teebeuteln lässt zu sehr vergessen, dass da einer seinen Halt verloren hat und am Rand des Abgrunds taumelt.
Wenn Pinguine zu sehr lieben
von Stefan Busz
Winterthur. Die Fantasie an die Macht! Das Theater Kanton Zürich zeigt mit der Schweizer Premiere von «Pinguine können keinen Kuchen backen», wie verspielt die Welt der Kinder ist. Und Rosinen für alle gibt es am Schluss. Sie haben einen dicken Bauch und einen sehr kleinen Kopf. Darauf ein Pompon. «Ir müend zimli doof usgsee», sagt der Maulwurf zu den zwei Pinguinen: «Loos! Hauet ab!» Der Maulwurf hat eine Quarktorte bestellt, und die will er jetzt in Ruhe essen.
Die Quarktorte aber haben die Pinguine schon intus. Nichts mögen Pinguine so sehr wie Quarktorte, sie sind geradezu versessen darauf. Und es ist ein grosser Fehler, eine Quarktorte unbeaufsichtigt auf der Bühne (wie hier von Stefan Schwarzbach) herumstehen zu lassen. Tür auf, Tür zu. Auftritt Pinguin eins und zwei. Und schon ist die Quarktorte weg. Rüübis und stüübis.
Mit einer solchen Verschlingungsaktion beginnt «Pinguine können keinen Kuchen backen». Andreas Storm, der selber schon mal ein Pinguin war, hat das Kinderstück (ab fünf Jahren) von Ulrich Hub für das Theater Kanton Zürich eingerichtet: mit der ganzen Liebe – und auch mit all den anarchischen Sachen, die dieser Geschichte eingeschrieben sind. Katholischer Pinguin-Kindergottesdienst (wie in Hubs Vorgängerstück «An der Arche um acht») war gestern. Jetzt ist die Fantasie an der Macht, auch in der schweizerdeutschen Version von Simon Froehling. An der Premiere wurde uns allen ein bisschen trümmlig. Denn dieses Theater ist so gut wie eine Quarktorte. Vielleicht noch ein bisschen besser. Denn Rosinen gabs auch dazu.
Vier Stellenanwärter im Showroom des Misstrauens
Zürich, Theater Kanton Zürich – An diesem Haus ist was los: Ein neues Ensemble arbeitet an einem neuen Spielplan, und zum Auftakt wird ein Bouquet geboten, ein Fest und drei Premieren in weniger als einem Monat. Auf Dürrenmatts «Richter und sein Henker» folgt nun Jordi Galcerans «Grönholm-Methode». Darin treffen im cleanen Firmensitz von Ikea – die bunten Stühle an der Rückwand lassen keine Zweifel (Bühne: Werner Hutterli) – vier Top Dogs aufeinander, die sich für denselben Kaderjob bewerben. Bloss von der Firma erscheint niemand. Stattdessen spuckt ein Bürokorpus unter ausserirdischen Geräuschen Aufgaben in den Raum. Aber was wird hier genau getestet? Wer schaut zu? Ist einer der vier ein Scheinkandidat? Im Nu wird das Vorzimmer zu einem Showroom des Misstrauens, im kühlen Licht offenbaren sich die wahren Gesichter der Kandidaten. Meint man. Das Stück ist spannend bis zum Schluss, eine kluge Wahl für ein Team, das auf unterhaltsame Stoffe setzt. Regisseur Felix Prader vertraut der Dramaturgie des Stücks, inszeniert zurückhaltend und lässt seinen vier unterschiedlichen Schauspielern Raum. Den nehmen sich diese nach einem etwas steifen Anfang denn auch: Katharina von Bock wechselt von abgeklärter Kühle zu berechnender Freundlichkeit, der dynamische Brencis Udris ist wie Haargel, erst schmierig, dann zerbrechlich, Stefan Lahr ist so unmöglich, dass man mit ihm keine Sekunde im Lift stecken bleiben möchte, und Andreas Storm, ja, Andreas Storm ist einfach wunderbar kompliziert und ein Sibesiech aufs Mal. Gerades Theater ohne viel Schnickschnack, bei dem man bestens unterhalten wird.
Corina Freudiger | © Tages-Anzeiger; 25.09.2010



.jpg)
.jpg)