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Pinguine können keine Kuchen backen | Brencis Udris und Vera Bommer | Bild: Judith Schlosser

Weihnächtliche Abgründe

Die «NZZ» über «Frohe Feste»

Von Anne Suter

Rüdiger Burbachs Inszenierung der 1972 uraufgeführten Weihnachtsgeschichte «Absurd Person Singular» aus der Feder des Engländers Alan Ayckbourn ist eine rabenschwarze und temporeiche Komödie.

«Frohe Feste»: Wer unter diesem Titel eine heitere Vorweihnachts-Aufführung erwartet hat, wird die neue Produktion des Theaters Kanton Zürich enttäuscht verlassen. Für all jene hingegen, die gerne einen Blick in die sich mit Vorliebe unter dem Christbaum auftuenden (zwischen)menschlichen Abgründe werfen, ist «Frohe Feste» genau das Richtige: eine Komödie, so bitterböse und rabenschwarz, dass sie nur aus der Feder eines Engländers stammen kann.

Heiligabend in der Küche

Alan Ayckbourn, Autor von über siebzig Theaterstücken, lässt in seinem 1972 uraufgeführten Werk «Absurd Person Singular» drei Ehepaare in drei aufeinanderfolgenden Jahren an Heiligabend aufeinandertreffen. Schauplatz ist dabei nicht das Wohnzimmer, sondern jeweils die Küche eines der drei Paare.

Rüdiger Burbachs Inszenierung beginnt mit einem Weihnachtsmann, dem die Aufgabe zufällt, das Schild «Voriges Weihnachten» vorne auf der Bühne zu entfernen. Und schon ist das Publikum mittendrin im Geschehen: Hypernervös wischt Jane Hopcroft (Vera Bommer) zum x-ten Mal die spiegelblanken Arbeitsflächen ihrer biederen Einbauküche ab, während ihr Mann Sidney (Brencis Udris) das Eintreffen der Gäste mit grösster Spannung erwartet. Es sind dies das Bankier-Ehepaar Ronald (Andreas Storm) und Marion Brewster-Wright (Katharina von Bock) sowie der Architekt Geoffrey Jackson (Stefan Lahr) samt Gattin Eva (Cathrin Störmer). Der ehrgeizige Gastgeber möchte das weihnächtliche Beisammensein nutzen, um seine Karriere voranzutreiben. Vorerst wird er allerdings mit schnöder Verachtung behandelt – bis sich zwei Jahre später («Nächstes Weihnachten») die Machtverhältnisse zu seinen Gunsten gekehrt haben.

Atemloses Spektakel

Das begeisternde Schauspielerensemble macht die temporeiche Komödie, die leider durch eine Pause unterbrochen wird, zum atemlosen Spektakel. Eine Pointe jagt die andere, auf jede absurde Situation folgt eine noch absurdere. Wobei einem als Zuschauerin hie und da auch das Lachen im Hals stecken bleibt, insbesondere im mittleren Akt («Dieses Weihnachten»), in dem die psychisch kranke Eva Jackson ihrem Leben auf alle erdenklichen Arten ein Ende zu setzen versucht.

Zum Schluss taucht wieder ein Weihnachtsmann auf, diesmal allerdings in der Gestalt von Sidney Hopcroft, der die vereinigten Gäste zu Musik herumhopsen lässt. – Fazit nach der Aufführung: Nun kann man getrost zur eigenen Weihnachtsfeier schreiten; alles, was da auf einen zukommt, ist vergleichsweise harmlos.