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Der Richter und sein Henker | Andreas Storm, Stefan Lahr, Brencis Udris | Foto: Judith Schlosser

Vier Stellenanwärter im Showroom des Misstrauens

Zürich, Theater Kanton Zürich – An diesem Haus ist was los: Ein neues Ensemble arbeitet an einem neuen Spielplan, und zum Auftakt wird ein Bouquet geboten, ein Fest und drei Premieren in weniger als einem Monat. Auf Dürrenmatts «Richter und sein Henker» folgt nun Jordi Galcerans «Grönholm-Methode». Darin treffen im cleanen Firmensitz von Ikea – die bunten Stühle an der Rückwand lassen keine Zweifel (Bühne: Werner Hutterli) – vier Top Dogs aufeinander, die sich für denselben Kaderjob bewerben. Bloss von der Firma erscheint niemand. Stattdessen spuckt ein Bürokorpus unter ausserirdischen Geräuschen Aufgaben in den Raum. Aber was wird hier genau getestet? Wer schaut zu? Ist einer der vier ein Scheinkandidat? Im Nu wird das Vorzimmer zu einem Showroom des Misstrauens, im kühlen Licht offenbaren sich die wahren Gesichter der Kandidaten. Meint man. Das Stück ist spannend bis zum Schluss, eine kluge Wahl für ein Team, das auf unterhaltsame Stoffe setzt. Regisseur Felix Prader vertraut der Dramaturgie des Stücks, inszeniert zurückhaltend und lässt seinen vier unterschiedlichen Schauspielern Raum. Den nehmen sich diese nach einem etwas steifen Anfang denn auch: Katharina von Bock wechselt von abgeklärter Kühle zu berechnender Freundlichkeit, der dynamische Brencis Udris ist wie Haargel, erst schmierig, dann zerbrechlich, Stefan Lahr ist so unmöglich, dass man mit ihm keine Sekunde im Lift stecken bleiben möchte, und Andreas Storm, ja, Andreas Storm ist einfach wunderbar kompliziert und ein Sibesiech aufs Mal. Gerades Theater ohne viel Schnickschnack, bei dem man bestens unterhalten wird.

Corina Freudiger | © Tages-Anzeiger; 25.09.2010