symbolbild

Die Grönholm-Methode | Katharina von Bock, Brencis Udris, Stefan Lahr, Andreas Storm | Foto: Tanja Dorendorf

Psychokrimi mit bösem Schluss

Wer siegen will, muss besser sein als die anderen. Das Theater Kanton Zürich zeigt das perfide Kammerspiel «Die Grönholm-Methode» von Jordi Galceran als hochaktuellen Psychokrimi.Ein lukrativer Job – vier Bewerber. Der spanische Autor Jordi Galceran zeigt in seiner im Jahr 2003 uraufgeführten spannenden Groteske, dass sich der Mensch jeder Perfidie unterwirft, wenn er beruflich etwas erreichen will. Zu vergeben ist der attraktive Posten des Marketing-Direktors von Ikea. Die Bewerber, drei Männer und eine Frau, haben sich zur Endrunde in einem hell beleuchteten Ausstellungsraum mit zahlreichen Stühlen auf Tablaren (Bühne und Kostüme: Werner Hutterli) eingefunden. Sie werden mit einer höchst ungewöhnlichen Testsituation, der «Grönholm-Methode» konfrontiert, in der absonderliche Aufgaben gelöst werden müssen.

Perfider Psychokrieg

Schnell wird klar: Man will nicht den Gutmenschen, sondern den «Wolf im Schafspelz» und nicht das «Schaf im Wolfspelz». Denn schon der erste Test sät Misstrauen: Die vier Bewerber müssen herausfinden, wer von ihnen gar kein richtiger Bewerber ist, sondern ein Vertreter der Personalabteilung. Ein Spion, ein Agent in Undercovermission im Auftrag der Firma. Selbst das Privatleben der Bewerber wird nicht geschont. Mit jeder neuen Aufgabe wächst der Druck auf die Bewerber. Wer hält diesen Psychokrieg am längsten durch? Wer gibt auf? Wie weit geht jemand, um den begehrten Posten zu ergattern? Unter der ausgezeichneten Regie von Felix Prader entwickelt sich dieses Psychospiel mit beängstigender Komik zu einem ausgemachten Psychokrieg. Die kammerspielartige Anlage der Inszenierung mit den vielen ausgestellten Stühlen macht diesen Krieg umso beklemmender. Mit jeder gestellten Aufgabe wird nämlich das Spiel perfider und erniedrigender, macht Peinliches und Intimes öffentlich, nötigt die Bewerber zum Seelenstriptease.

So kommt heraus, dass einer von ihnen Eheprobleme und Millionen in den Sand gesetzt hat. Ein anderer will gar eine Geschlechtsumwandlung an sich vornehmen lassen – hier gerät das Spiel allerdings etwas an den Rand des Realistischen. Zum Schluss bleibt tatsächlich nur einer übrig – als Sieger, wie er glaubt und wie auch das Publikum meint. Doch da nimmt das Stück eine überraschend böswillige Wendung. Mehr sei nicht verraten.

Grossartige Schauspieler

Alle vier Schauspieler meistern souverän die Finessen bei diesem Spiel im Spiel. Stefan Lahr zieht als angegrauter Axel Trager bravourös und kaltschnäuzig die Zyniker-Nummer des skrupellosen Aufsteigers durch, Andreas Strom spielt den jovialen, biederen, ganz umgänglich scheinenden Sebastian Rupp äusserst differenziert und Katharina von Bock als Susanne Kirchner liefert ein eindringliches Bild einer ehrgeizigen Frau, die zwischen Karriere und Gutmensch schwankt.

Wer vom Publikum fand, Brencis Udris als transsexueller Andreas Schönmann trüge etwas zu dick auf, der hatte Recht – und ist dem Spiel schon aufgesessen. Was hier gespielt wird, ist doppelte Täuschung. Geboten wird ein rasantes und höchst unterhaltsames Kammerspiel mit grimmigem Witz und mehr Realitätsbezug, als man wahrhaben möchte. Das Premierenpublikum war begeistert und bedankte sich mit langanhaltendem Applaus.

Linus Baur | © Zürichsee-Zeitung; 25.09.2010