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In der Nähe der grossen Stadt | Andreas Storm, Vera Bommer | Foto: Tanja Dorendorf

Mit Leichtigkeit

Das Theater Kanton Zürich macht Max Frisch ein Geburtstagsgeschenk. Premiere für «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie» war am Samstag. Nun geht das Lustspiel auf Tournee.

Wie kommt man in den Himmel? Die Dirne Miranda faltet einen Papierflieger, sie will nicht mehr kriechen wie ein Tier. Don Juan war bei ihr im Freudenhaus, er wollte aber nur mit ihr Schach spielen. Jetzt liebt sie zum ersten Mal wie ein Mensch. O Himmel. Auch Don Juan hat es mit dem Höheren, er lässt von seiner Liebeslaube zwei Ballone fliegen. Im Theater Kanton Zürich fliegen die zwei Ballone aber nur bis zur Bühnendecke. Denn die Aufführung von Max Frischs Komödie «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie», angesagt im Freibad Letzigraben, musste am Samstag nach Winterthur ins Stammhaus verlegt werden. So oder so kommt Don Juan an seine Grenzen: Er, der keine Frau lieben kann, wird Miranda heiraten. Es ist die Hölle light. Mit Kind und so. Mahlzeit.

Ein Leuchten

Ein Geburtstagsgeschenk. Zum Hundertsten für Max Frisch, als Versuch, seinen «Don Juan» (1953) wieder neu zu lesen, auch mit Nachträglichem. «Don Juan ist ein Spanier: ein Anarchist», hat Frisch zu seinem Stück annotiert. «Das Spanische – man kann es vernachlässigen, aber nie wird man Don Juan in ein anderes, ein bestimmtes, beispielsweise deutsches oder angelsächsisches oder slawisches Kostüm stecken.» Das Theater Kanton Zürich hat dieses Korsett ein bisschen gelockert. Ein bisschen Luft ist ans Kleid der Miranda und auch der anderen gekommen (Kostüme und auch Bühne: Katherine von Hellermann). Und am Schluss kann so der ganze Frisch wie Mirandas Rock leuchten, mit einigen künstlichen Zutaten, aber ganz von innen heraus. Die Bühne ist ein theatralisches Sevilla heute, mit Grillstand, Kühlbox, Festbänken. Ein Caravan steht da, der einen Einblick in diese erweiterte Landschaft des Stückes gibt. Die Lust, ein Theaterstück zu schreiben, habe ihn bewogen, das Theaterstück zu schreiben, schreibt Frisch. Und ähnlich geht der Regisseur Manuel Bürgin, Jahrgang 1975, vor; er zeigt seine Lust, mit Frisch Theater im Theater zu machen.

Masken der Wirklichkeit

«Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie» ist so ein Lustspiel geworden: mit Masken, Degen, Gesang. Und auch das Getränkeangebot hat sich erweitert: Frisch setzte ausschliesslich auf roten und weissen Wein («Der Spanier ... kennt kein Vielleicht»). Jetzt kommt eine Kiste Erdinger (als Sitzplatz für die Musiker) und Sprudel aus Büchsen dazu. Zisch, da ist manchmal die Luft schnell draussen. Dafür gibts Weihrauch vom Würstlistand.

Frischs Hohespiel über die Liebe leicht tiefergelegt, das ergibt eine wirklich gute Komödie. Jedes Theater ist eine Erfindung für sich, und man soll diesem Don Juan nur das Höhere glauben: Er ist und bleibt ein Komödiant. So gibt ihn auch Brencis Udris, die beste Szene hat er als Regisseur seines eigenen Abgangs. Zum Schmierentheater seiner Höllenfahrt müssen seine Mit- und Gegenspieler auch fürchterlich heulen: André Frei, Stefan Lahr, Cathrin Störmer, Anna-Katharina Müller. Sandro Combat macht dazu die Musik, zusammen mit Gerrit Frers, der auch den Leporello macht. Andreas Storm (Pater!, Steinerner Gast!) gibt der Inszenierung die Farbe. Da wird dick aufgetragen, wo alle Schlankheit erwarteten. Und Vera Bommer (Miranda, Don Juans Frau auf Lebenszeit) ist nicht zuletzt ein Lichtblick. Der Himmel kann warten.

Don Juan und die Liebe unterwegs

Das Freibad Letzigraben, das ist Max-Frisch-Terrain, er hat es 1949 entworfen. Hier sollte auch die Freilichtpremiere des Theaters Kanton Zürich stattfinden, allein am Samstag fiel Regen. Heute vielleicht gibt es für «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie» bessere Verhältnisse, noch einmal ist die Komödie in Zürich angesagt. Dann zieht das Theater weiter, zuerst nach Winterthur (Kirchplatz, 20. bis 22. Mai), dann nach Maur, Dübendorf, Horgen, Pfäffikon, Hinwil. Der Spielplan: www.theaterkantonzuerich.ch

Stefan Busz | «Der Landbote»