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Markus Werners «Festland» auf der Bühne
Als Markus Werners Roman «Festland» 1996 im Residenz-Verlag erschien, gab es den bildhaften Ausdruck «Burn-out» noch nicht. Heute, wo Hannes Glarner den Text in der Theaterfassung von Rüdiger Burbach mit dem Theater Kanton Zürich auf die Bühne bringt, schwebt die Diagnose über dem Kopf des Protagonisten Kaspar Steinbach, der eines Tages einfach nicht mehr ins Büro gehen kann. Doch er nennt seinen Zustand widerständig «Gnadenstand». Markus Werner ging es genau darum: zu zeigen, «was während der Phase des Stillstands, die in der Welt natürlich als pathologisch gilt, geschieht und möglich wird».
Auch Steinbachs Tochter Julia verfällt nach abgeschlossenem Studium in einen Erschöpfungszustand. Die Konstellation ermöglicht literarisch weite Räume – die, wie die Uraufführung der Bühnenfassung in Winterthur gezeigt hat, auf die Bühne übertragbar sind.
Die gar nicht depressive, sondern äusserst spielfreudige Lesart des Theaters Kanton Zürich leuchtet ein. Auch deshalb, weil Werners sezierend genaue Sprache überzeugend zur Geltung kommt, in der minimalistischen Inszenierung wie in der jugendlich-vitalen Körperlichkeit von Vera Bommer, die als Icherzählerin auch immer wieder an den Rand des Nichtgeschehens tritt.
Diese ganz der Sprache hingegebenen Sequenzen überzeugen mehr als die verspielteren. Wie sich Stefan Lahr und Vera Bommer von Vater und Tochter zwischendurch ins Liebespaar verwandeln, das Steinbach und Julias Mutter einmal waren, lässt die Schauspieler spürbar lustvoll aus dem strengen Korsett der Sprache ausbrechen – doch der Slapstick mit toten Teebeuteln lässt zu sehr vergessen, dass da einer seinen Halt verloren hat und am Rand des Abgrunds taumelt.
Im Roman erlebt man den Schluss, Steinbachs Rückkehr in die Zwänge des Festlanddaseins, wie einen Schlag in die Magengrube. Den Bühnen-Steinbach hingegen lässt man beinahe fröhlich in die Welt der 18-Stunden-Arbeitstage ziehen.
Christine Lötscher | © Tages-Anzeiger; 12.03.2011


Info ab 13 Uhr: Telefon 052 232 87 18
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