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Festland | Stefan Lahr, Vera Bommer | Foto: Heidi Arens

Krimiklassiker mit etwas Klamauk

Das Theater Kanton Zürich mit seinem neuen Leiter Rüdiger Burbach startet mit dem temporeich inszenierten Krimistück «Der Richter und sein Henker» von Friedrich Dürrenmatt in die neue Saison.

Ist Gerechtigkeit möglich? Kann man das perfekte Verbrechen begehen, das nie entdeckt wird? Oder allgemeiner gefragt: Gibt es Gerechtigkeit in der Welt? Vor 40 Jahren haben der junge Polizist Bärlach und der Ganove Gassmann über diese Frage eine Wette abgeschlossen, die ihr Leben bestimmen wird. Bärlach verfolgt über Jahre Gassmann, der ihm immer wieder den Beweis liefert, dass selbst Kapitalverbrechen oft nicht geahndet werden können. Nun sind beide alt, Bärlach hat nicht mehr lange zu leben, möchte aber die Wette noch gewinnen. Schliesslich schafft er es, Gassmann hinrichten zu lassen – nur nicht mit legalen Mitteln. Er macht seinen jungen Kollegen Tschanz zur Marionette, der seinen Willen ausführt. Fazit: Bärlach wird zum Richter und Tschanz zu seinem Henker.

Erstmals für die Bühne bearbeitet

Die Regisseurin Deborah Epstein hat Friedrich Dürrenmatts erfolgreichen Kriminalroman «Der Richter und sein Henker» für die Bühne bearbeitet. In 23 temporeich gestalteten Kurzszenen wird der Mordfall an Bärlachs Kollegen Schmied mit dem überraschenden Ende aufgeklärt. Auf der mit grauen Vorhängen ausstaffierten Bühne befinden sich einige wenige Möbelstücke, die je nach Verlauf und Bedarf herumgeschoben werden. Zwei- bis dreimal öffnet sich der Vorhang im Hintergrund und gibt den Blick auf ein grossflächig projiziertes Bild frei (Bühne und Kostüme: Florian Barth).

Drei der fünf Schauspieler teilen sich nicht weniger als 13 Rollen. Nur Stefan Lahr als Kommissar Bärlach und Brencis Udris als ehrgeiziger Nachwuchskommissar Tschanz begnügen sich mit einer Rolle.

Temporeiches Spiel

Gespielt wird mit grossem Tempo und viel Klamauk. Man muss sich höllisch konzentrieren, um dem vielschichtigen Geschehen folgen zu können. Just will es scheinen, dass die Regisseurin der dramatischen Wirkung des Romans nicht so recht traute und mit dem «Kunstgriff» Schnelligkeit für unterhaltsame Action sorgen wollte. Dass dabei die mit dem Fall aufgeworfenen Fragen nach Gut und Böse, nach Verbrechen und Strafe, nach Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben, muss wohl oder übel hingenommen werden. Wenig einsichtig sind auch die teils übertriebenen Klamauk-Einlagen, die dem Drama eine heitere Note verleihen, aber die Tragik des Falls ins Lächerliche katapultieren. Das ist bedauerlich. Zu gefallen weiss dagegen die schauspielerische Leistung der fünf Darstellenden. Vorab Andreas Storm, André Frei und Vera Bommer mit ihren vielen schnellen Rollenwechseln, die sie bravourös und mit sichtlicher Spiellust meistern. Stefan Lahr spielt einen etwas gar selbstgefälligen und mitleidigen Kommissar Bärlach, während Brencis Udris eindringlich den ehrgeizigen Aufsteiger Tschanz vorführt. Geboten wird ein vergnüglicher und unterhaltsamer Theaterabend ohne Tiefgang.

Linus Baur | Zürichsee-Zeitung | 21.09.2010