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Ironische Weihnachtsbescherung
«Zürcher Landzeitung» über «Frohe Feste»
Von Linus Baur
Eine Küche und sechs skurrile Charaktere: Das Theater Kanton Zürich zeigt mit «Frohe Feste» von Alan Ayckbourn ein herrlich ironisch-böses Weihnachtsstück, das hintergründigen Spass vermittelt.
Die Handlung ist schnell erzählt: An drei aufeinanderfolgenden Jahren treffen sich jeweils drei Paare, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Das allerdings bringt nicht nur eitel Freude, wie Geschäftsmann Sidney feststellen muss. Er hat nämlich seinen Banker Ronald und den Architekten Geoffrey samt Gattinnen eingeladen - mit Hintergedanken: Er braucht dringend einen Kredit. Die krampfhaften Bemühungen um ein frohes Fest bringen besonders Sidneys putzsüchtige Frau Jane an den Rand der Verzweiflung. Auch im nächsten Jahr wird Weihnachten nicht fröhlicher: Geoffreys tablettensüchtige Frau Eva versucht, sich auf möglichst untaugliche Art umzubringen.
Und im Jahr darauf trifft man sich beim bornierten Ronald und seiner alkoholkranken Frau Marion. Doch da haben sich die Machtverhältnisse schon verschoben. Plötzlich ist man vom früher belächelten Sydney abhängig.
Aus der Küchenperspektive
Das ganze Spektakel erlebt der Zuschauer aus der Küchenperspektive der jeweiligen Gastgeber, also dort, wo die Masken fallen. Bei Sydney ist es eine sterile, billige Einbauküche, bei Geoffrey eine schwarz-rote Designküche und bei Ronald ein antik-verzierter Küchenraum mit Perserteppich und Fauteuil (Bühnenbild: Christian Rinke). Regisseur Rüdiger Burbach liefert das, was das Stück verspricht: rasante Dialoge, absurde Verwicklungen, durchgeknallte Typen, herzlose Ehemänner, sturztrunkene oder wischsüchtige Frauen. Nervensägen, wohin man blickt. Und hausbackene Geschlechterrollen, wie man sie aus den 70er-Jahren kennt (Alan Ayckbourn schrieb das Stück 1972). Burbach lässt die Komödie Komödie sein, allenfalls mit ein paar bitteren Spritzen und satten Schlenkern zur veritablen Klamotte. Die Heilig-Abend-Farce erreicht dort ihren komischen Höhepunkt, wenn im zweiten Akt ständig versehentlich der Selbstmord der depressiven Eva verhindert wird, und eskaliert dort, wenn zum Schluss Sydney als grosser Weihnachtsdiktator die ganze jämmerliche Weihnachtsgesellschaft in einem blödsinnigen und auch hochpeinlichen Ringel- piez-Spiel tanzen lässt.
Wer nicht mehr als einen heiteren Schwank erwartet, ist gut bedient. Schade nur, dass das Traurige und Abgründige etwas zu kurz kommt. Dem Premierenpublikum gefiel die turbulente Groteske, es lachte viel und bedankte sich mit langanhaltendem Applaus.
Famoses Ensemble
Ein famoses Spiel liefern die sechs Darsteller, die die Risse ihrer Figuren mit viel Drive auf die Bühne zaubern, auch wenn einzelne zeitweise Gefahr laufen, als lächerliche Popanz zu wirken. Das gilt vorab für Vera Bommer als putzwütige Jane, die ihre hausbackene Hausfrauenrolle gleichzeitig hochnervös und erschütternd komisch spielt. Katharina von Bock als Marion wirkt etwas gar überdreht, meistert ihre Rolle als alkoholabhängige Luxuszicke aber absolut Slapstick-sicher. Cathrin Störmer als tablettensüchtige Eva mit ihren Selbstmordversuchen zeichnet dank ihrer spürbaren Leidensfähigkeit einen überaus glaubwürdigen Charakter. Mit verlangsamten Bewegungen tastet sie durch einen Nebel der Verzweiflung, während um sie herum der nackte Comedy-Irrsinn tobt.
Bei den Herren weiss vorab Andreas Storm als geiziger Banker Ronald zu gefallen. Umwerfend sein zittriges Spiel, als ihn im zweiten Akt ein 220-Volt-Stromstoss erwischt. Ansonsten gibt er einen harmlosen Geschäftsmann ab, der meist stumm und vielsagend zugleich zwischen den hysterischen Frauen herumkurvt. Stefan Lahr als Architekt Geoffrey ist arg mit seiner Virilität beschäftigt, und Brencis Udris verkörpert einen etwas gar hitzigen und arroganten Emporkömmling.


Info ab 13 Uhr: Telefon 052 232 87 18
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