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Festland – Die Bühnenfassung
«Ich kam mir vor wie ein Diktiergerät», stellt Julia, die 26-jährige Tochter, lakonisch fest. In der Tat haben die Gespräche, die sie mit ihrem Vater führt, eher monologischen Charakter, doch sie finden auch unter speziellen Umständen statt: Vater und Tochter kennen sich kaum, haben sich seit Julias Konfirmation kein einziges Mal mehr gesehen – und befinden sich beide in einer psychischen Krise. So ist die Tochter nach Abschluss ihres Studiums depressiv verstimmt, während der Vater einen Burnout-Zustand erlebt.
Julia Stoll und Kaspar Steinbach, die Protagonisten von Markus Werners Roman «Festland», sind in Winterthur nun als Bühnenfiguren zu erleben. Der Autor und Regisseur Hannes Glarner hat Werners 1996 erschienenes 140-seitiges Werk dramatisiert und für das Theater Kanton Zürich inszeniert. Die Produktion, die am Donnerstag uraufgeführt worden ist, spielt in einem schlichten Einheitsraum (Bühne: Nino Kündig), der sowohl die Zürcher Wohnung ist, in der Vater (Stefan Lahr) und Tochter (leicht unterkühlt: Vera Bommer) eine Woche lang jeden Abend zusammentreffen, als auch Orta in Piemont, wohin Julia sich nach den Begegnungen mit dem Vater zurückzieht, um das Gehörte aufzuschreiben.
Wer nach der Lektüre von Werners Roman einen mehrheitlich ernsten Theaterabend erwartet hat, wird erstaunt sein: Die Grundstimmung ist heiter. Entsprechend wird an der Premiere auch viel gelacht – dann etwa, wenn der Vater seinen Zustand mit den Worten kommentiert: «Was nützt es, wenn ich heute mit Mundwasser gurgle und morgen erlösche?» Oder wenn er seiner Tochter erklärt: «Primär bist du ein Kind der Kopflosigkeit.» Dass jene langen Passagen, in denen der Vater sich frei assoziierend durch sein bisheriges Leben hangelt, in der Bühnenfassung fehlen, ist irgendwie nachvollziehbar.
Unverständlich bleibt jedoch, weshalb die beiden Begegnungen zwischen Julias Vater und ihrer Mutter (Bommer schlüpft kurz in deren Rolle) derart lächerlich dargestellt werden müssen. Da bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Anne Suter (aks) | © Neue Zürcher Zeitung; 12.03.2011


Info ab 13 Uhr: Telefon 052 232 87 18
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