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Der Richter und sein Henker | Andreas Storm, Stefan Lahr, Brencis Udris | Foto: Judith Schlosser

Ein frischer Don Juan

Das Theater Kanton Zürich zeigt Max Frischs «Don Juan»

Was Don Juan unwiderstehlich mache für die Damen von Sevilla, das sei seine männliche Geistigkeit, die die Frau von vornherein als Episode einsetze – eine Episode freilich, die schliesslich sein ganzes Leben verschlinge, schreibt Max Frisch im Nachwort zu seiner einzigen Komödie «Don Juan oder die Liebe zur Geometrie», die den Archetypus des Frauenhelden parodiert. Statt für die Damenwelt interessiert sich der Protagonist für die Geometrie. Trotzdem endet Don Juan (Brencis Udris) in jenem «Gefängnis», vor dem er sich so gefürchtet hat; in der Ehe mit der Herzogin von Ronda (Vera Bommer), die zuvor Prostituierte war und wunderschön von ihrem Liebesleid gesungen hatte.

Das Theater Kanton Zürich hat sich zum 100. Geburtstag des Weltautors den 1953 uraufgeführten Fünfakter über das männliche Hadern mit der Liebe vorgenommen. Dabei glänzt das neunköpfige Schauspielerensemble unter der Regie Manuel Bürgins nicht nur durch vortreffliches Spiel, sondern auch in wunderbar ironischen Kostümen (Kathrine von Hellermann) auf einer liebevoll gestalteten Bühne, die an einen Campingplatz erinnert. Die Premiere hätte denn auch unter freiem Himmel stattfinden sollen, sinnigerweise im von Max Frisch erbauten Freibad Letzigraben. Doch wegen des Regens am Samstagabend wurde die Aufführung ins Theater Kanton Zürich verlegt, was ihrer Wirkung nicht geschadet hat. In den ersten drei Akten verhindert Don Juan die Verheiratung mit Donna Anna (Anna-Katharina Müller), tötet in einem Duell Annas Vater Don Gonzalo (Stefan Lahr), während sich sein bester Freund Don Roderigo (Gerrit Frers) umbringt und sich die Braut ertränkt. In der Nacht davor waren Anna und Juan aus Angst vor der Heirat in einen Park geflüchtet, hatten einander angetroffen und sich verliebt. Hübsch, wie beim ersten Kuss zwei Herzen-Ballone in die Luft steigen, allerdings wäre dies unter freiem Himmel effektvoller gewesen. Nach der abgeblasenen Hochzeit hat Don Juan den Braten gerochen und wendet sich statt der Geometrie wahllos Frauen zu; er verschwindet mit der Mutter der Braut, Donna Elvira (Cathrin Störmer), im Kabäuschen. Im vierten Akt schon kommt Don Juans Geschichte auf die Bühne, vor «Groupies» mit schwarzen Perücken. Fazit: Dem Regisseur gelingt ein erfrischender Max Frisch, und fürs Publikum bietet sich eine gute Gelegenheit, sein Jubiläum zu begehen.

Katja Baigger | «Neue Zürcher Zeitung»